Einleitung in die Musiksoziologie. Zwölf theoretische Vorlesungen.
Erste Ausgabe. Frankfurt, Suhrkamp Verlag, 1962. 20.1cm x 13.3cm. 224 Seiten. Softcover / Englisch-Broschur mit speziellem Mylar Umschlag (lose um den Einband gelegte Sammler – Schutzfolie). Guter Zustand mit einigen wenigen, rein äusserlichen Gebrauchsspuren (kleiner Einriss am vorderen Einbanddeckel).
Adornos “Vorlesungen über Musiksoziologie” eignet die Unmittelbarkeit eines Reflektierens, das sich am Detail entzündet, vom Einfachen zum Komplexen fortschreitet und beim Sprechen spontan seine Einsichten entwickelt – aus souveräner Kenntnis des Ganzen und doch offen, gleichsam unschuldig gegenuber dem Besonderen und Einzelnen. Darin sind diese Vorlesungen dem idealen musikalischen Horen selbst verwandt, das sie unter dem Aspekt seiner gesellschaftlichen Bedingungen und auch Gefährdungen untersuchen, und sie sind ein Beispiel fur die Übermittlung differenzierter Gedankengange auf eine scheinbar simple, den Leser aber unmerkbar überlistende Weise.
Das Besondere dieser Musiksoziologie ist, dass sie – im Gegensatz zur gestern und auch heute noch herrschenden Praxis – sich nicht mit äusserlichen und oft willkürlichen – Zuordnungen – begnügt, sondern die Beziehungen zwischen Musik und Gesellschaft in den vielfaltigen Formen der Vermittlung, Verfremdung und Verblendung untersucht; dass sie nich so sehr die Soziologie musikalischer Produktion und, völlig getrennt davon, die der musikalischen Konsumption behandelt, vielmehr in den musikalischen Gebilden selbst gesellschaftliche Momente aufspürt, sie dann wieder in Beziehung setzt zu allgemeinen gesellschaftlichen Phänomenen einerseits und zum musikalischen Leben andererseits. So wird der Schein des Selbstverständlichen am heutigen – Musikleben – ebenso entblättert wie etwa der Schein des isoliert Esoterischen an der musikalischen Avantgarde. Die einzelnen Vorlesungen zielen von verschiedenen Richtungen her und zugleich in fortschreitender Differenzierung der Thematik auf den fur jede Musiksoziologie zentralen Problemkreis hin, der dann in der letzten Vorlesung am Beipiel Beethovens nochmals konkret entwickelt wird: das Problem der Vermittlung von Musik und Gesellschaft.
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